FRÜHKASTRATION BEIM MÄNNLICHEN MEERSCHWEINCHEN

 

Was ist eine Frühkastration?

 

Unter Frühkastration beim männlichen Meerschweinchen versteht man die Entfernung der Hoden und Samenleiter noch vor Eintritt der Geschlechtsreife in einem Alter von maximal 3 – 3 ½ Wochen und einem maximalen Gewicht von 200-300g.

 

Warum sollte man männliche Jungtiere frühkastrieren lassen?


Für die kleinen Kerle hat ein so früher Eingriff eigentlich nur Vorteile. Die Wundheilung ist bei einem Babymeerschweinchen sehr gut, sie verkraften die Narkose (ACHTUNG: wie bei allen OPs bei Meerschweinchen sollte auch hier ausschließlich Inhalationsnarkose verwendet werden!) gut wenn nicht sogar besser als ältere Tiere und sie können in der Gruppe bleiben.

 

Meerschweinchenböcke werden mit ca. 3 Wochen geschlechtsreif, d.h. sie müssen dann von Mutter und Schwestern getrennt werden und leben dann entweder alleine oder zusammen mit dem Vater. Beide Lösungen sind für die Sozialisierung alles andere als optimal. Lässt man sie frühkastrieren, können sie in der Gruppe bleiben und somit bis zum Erreichen des Vermittlungsalters von ca. 6-8 Wochen alles lernen, was man als Meerschweinchenmann wissen muss.

 

In der Literatur und anderen Veröffentlichungen findet sich zwar immer der Hinweis, dass Meerschweinchen mit 2-3 Wochen nicht mehr bei der Mutter trinken, da sie sowieso von Beginn an schon feste Nahrung aufnehmen und als Nestflüchter schon mit wenigen Tagen enorm selbstständig sind.

 

ABER: unsere persönlichen Beobachtungen haben gezeigt, dass das so nicht stimmt! Zwar lässt das Interesse an der Mutter mit 2-3 Wochen definitiv nach, wir konnten jedoch auch noch bei 6 Wochen alten oder älteren Jungtieren Trinkverhalten beobachten. Ein männliches Jungtier welches schon mit 3 Wochen von der Mutter genommen wird, erfährt also einen starken und massiven Einschnitt, der im Prinzip nicht notwendig ist, wenn man eine Frühkastration vornehmen lässt.

 

Wie wirkt sich die Frühkastration auf die Entwicklung der Jungtiere aus?


Oft wird behauptet Frühkastraten blieben mickrig und seien keine „echten Kerle“. Dieses Argument ist jedoch in keiner Weise wissenschaftlich bewiesen und unsere persönlichen Erfahrungen sagen auch an diesem Punkt etwas anderes.

Frühkastraten entwickeln sich in der Regel (Ausnahmen bestätigen die Regel) zu normalen Meerschweinchenmännern mit normalem Gewichtsverlauf und normalem Sexualverhalten. Sie können ohne Probleme die Rolle eines Haremschefs übernehmen und kommen auch mit einer großen Anzahl Meerschweinchendamen zu Recht.

 

Ehemalige Einzelböcke, Zoohandlungstiere und Jungtiere, die mit 3 Wochen von der Gruppe getrennt werden mussten, haben meistens größere Schwierigkeiten in einer Haremsgruppe klar zu kommen, als ein Frühkastrat, der in einem stabilen Gefüge an der Seite eines erfahrenen Altkastraten, seiner Mutter und Geschwister und andere adulter Weibchen groß geworden ist.

 

Wildmeerschweinchen werden auch wesentlich später geschlechtsreif, als die bei uns lebende domestizierte Form (frühe Geschlechtsreife ist immer ein Produkt des menschlichen Eingriffs in die Natur, wenn die Tiere als Nahrungsquelle oder anderweitig Verwendung finden!), sodass das natürliche Verhalten durchaus darin besteht, dass die Jungböcke erst ungefähr mit einem halben Jahr vom Vater vertrieben werden und bis dahin Teil des Harems sind.

Lernen von den Großen - ein wichtiger Teil der Entwicklung, gerade in Bezug auf genießbare Futtermittel.
Die Gruppe bietet Schutz, entlastet die Mutter beim Aufpassen und hilft den Kleinen sich zurecht zu finden.

 

Welche Risiken bestehen bei einer Frühkastration?


Das Narkoserisiko sollte natürlich nicht unterschätzt werden. Allerdings gilt dies für alle operativen Eingriffe bei Meerschweinchen, egal wie alt die Tiere sind!

 

ZU BEACHTEN: bei der Wahl des Tierarztes sollte man immer darauf achten, dass die Praxis für Kleinnager und Kaninchen eine Inhalationsnarkose verwendet bzw. eine Gas-Kombi-Narkose! Reine Injektionsnarkosen haben bei Meerschweinchen eine Sterbequote von fast 50% zur Folge! Zwar ist die Inhalationsnarkose deutlich teurer und aufwendiger in der Umsetzung, aber lieber nimmt man höhere Kosten in Kauf, als im schlimmsten Fall sein Tier zu verlieren!

 

Auch sollte der Tierarzt Erfahrungen mit Frühkastrationen haben! Viele Tierärzte scheuen sich vor einem Eingriff an so einem „winzigen“ Tier und behaupten sie könnten die Hoden erst entfernen, wenn sie deutlich sichtbar sind, also an einem Alter von 2-3 Monaten bei Meerschweinchen. Lassen Sie sich dadurch nicht verunsichern, sondern suchen Sie sich einfach einen Tierarzt, der den Eingriff bestenfalls schon häufig durchgeführt hat und Ihnen auch sonst frühkastrationspezifische Fragen beantworten kann.

 

Hat der kleine Schweinemann die OP überstanden, bestehen eigentlich keine weiteren Risiken, die in reinem Zusammenhang mit dem Vorgang der Frühkastration stehen.

 

 

Gerne stehen wir Ihnen bei weiteren Fragen zur Verfügung und geben die von uns gemachten sehr positiven Erfahrungen auch in einem persönlichen Gespräch an Sie weiter! Melden Sie sich einfach telefonisch oder per E-Mail bei uns (Kontakt).