Kaninchenanschaffung will gut überlegt sein

 

Vorwort:

Pelzige Kleintiere werden immer wieder in Ihrer Persönlichkeit unterschätzt und aufgrund ihres putzigen Aussehens wird ihnen das Attribut "schmusig" regelrecht angedichtet und zur Selbstverständlichkeit erklärt.
Es steht außer Frage, dass Kaninchen durchaus sehr schmusig werden können, aber primär muss man ihnen ein entsprechendes Leben ermöglichen, damit Sie sich wohlfühlen, Vertrauen fassen und sich dann tatsächlich zu einem entspannten Schmusetier und Mitbewohner mit Rechten entwickeln können.

Wunsch und Lebensplanung

Kaninchen können richtig alt werden, das Durchschnittsalter liegt bei ungefähr sechs Jahren, aber auch 8-10 Jahre sind nicht so selten und auch echte Methusalems im Alter von 12/13 Jahren können vorkommen. Wie wird Ihre Lebensplanung in dieser langen Zeitspanne aussehen? Schule, Studium, Auslandsaufenthalt, Partnerschaft, Familiengründung, etc. Sind Sie bereit, Ihre Kaninchen mit ein zu beziehen?

Niemand kann im Detail in seine eigene Zukunft sehen oder gar alles vorab genau planen. Es gibt Dinge im Leben, die schneller alles über den so gar nicht geplanten, sprichwörtlichen Haufen werfen, als einem lieb ist. Und es gibt tatsächlich Umstände, da muss man sich nicht nur von geliebten Tieren trennen, sondern da geben sich gleich mehrere Katastrophen ein Stell-Dich-ein, die das eigene Leben buchstäblich auf den Kopf stellen. Aber versuchen Sie dann Sorge zu tragen, dass diese Kaninchen, alle Ihre Tiere in "gute Hände" kommen.

Kaninchen sind auch kein "Spielzeug" für Kinder! Bei der Anschaffung sollten Sie sich überlegen ob es auch Ihr Wunsch ist Kaninchen zu halten, denn Arbeitsteilung hin oder her, Sie werden sowohl die Verantwortung als auch die meiste Arbeit in den nächsten Jahren haben.

Allergietest vorab

Egal welches Tier Sie sich gerne anschaffen mögen, lassen Sie sich, Ihre Familie und insbesondere Ihre Kinder auf etwaige Allergien, die mit der Haltung dieses Tieres, in diesem Fall der Kaninchen einhergehen können, testen. In erster Linie auf Kaninchenhaar bzw. -fell, Heu und Staub, welcher speziell aus Streu- und Heuverabreichungen resultiert. Durch entsprechende Tests wäre das bei einem Hautarzt vorher zügig abgeklärt.

Zeitaufwand

Sie müssen sich täglich um Ihre Kaninchen kümmern, und damit sind nicht nur Fütterung und Tränken gemeint, sondern auch spielerische Angebote (Kartonentdeckungen, Obstbaumäste, etc.) für die Langohren, Zeit für den Auslauf, (z.B. ein Freilaufgehege mit Absicherung gegen das Durchbuddeln und Marderfestem Draht, der auch über dem Gehege sein muss wegen Greifvögeln), Kontrolle der Agilität und Gesundheit, regelmäßige Säuberung des Käfigs/Stall/evtl. Kaninchentoilette und speziell bei Langhaarkaninchen pflegende Tätigkeiten, wie Bürsten oder Fellknoten entfernen.

Ich wünsche es Ihnen niemals, aber es kommt vor, dass auch Kaninchen krank werden, und dann brauchen Sie Pflege und medizinische Versorgung. Kalkulieren Sie auch ein entsprechendes Zeitdepot für Wartezeiten beim Tierarzt, die manchmal nicht unerheblich sind, mit ein. Das kommt dann zum Tragen, wenn Sie den Tierarzt alle zwei Tage aufsuchen müssen. Und auch für den Krankheitsfall, überlegen Sie sich bitte vorher, sind Sie in der Lage, Wundversorgungen vorzunehmen, Ihr Tier von Durchfall zu befreien, etc. - Aufgaben, die für schwache Nerven nur bedingt geeignet sind? Aber vor allem, sind sie bereit Kosten zu tragen, die weit über die Anschaffungskosten hinausgehen?

Volle Akzeptanz

Beugen Sie Streitpunkten vor - sind alle Familienmitglieder mit den neuen tierischen Hausgenossen einverstanden? Nur wenn die ganze Familie den Tierzuwachs unterstützt und voll dahinter steht, werden sich Ihre Kaninchen so richtig wohl fühlen. Machen Sie ruhig mal einen Aufgabenverteilungsplan.

Sehr oft wünschen sich Kinder kleine Streicheltiere. Es liegt an den Eltern ihren Kindern diese Chance aufzuzeigen, was es heißt Verantwortung zu tragen, aber auch wie wunderschön es sein kann, mit glücklichen Kaninchen gemeinsam zu leben. Bitte drücken Sie nicht permanent auf die Verantwortung und drohen Sie nicht stets mit Wegnahme, führen Sie Ihre Kinder behutsam an das Thema und unterstützen Sie Ihre Kinder bei allem rund um die Kaninchen. Wenn Sie dem Wunsch von Ihrem/n Kind/ern entsprechen wollen, dann bedeutet das automatisch, dass auch Sie sich über die Langohren nicht nur freuen dürfen, sondern auch für sie Sorge tragen müssen!

Finanzielle Aufwendungen

Das Kaninchen an sich ist nahezu zu einem regelrechten Dumpingpreis zu haben, teilweise werden Sie sogar verschenkt. Aber Kaninchen brauchen Nahrung, auch Frischfutter, eine entsprechende Unterkunft, evtl. zusätzliche Wohnaccessoires, vielleicht auch ein schönes, geräumiges Freigehege mit Zubehör, sollten geimpft werden, etc. Geimpft wird gegen Myxomatose und RHD (Chinaseuche). RHD wird einmal jährlich geimpft, Myxo zweimal jährlich. Weiter fallen Kastrationskosten an. Sowohl männliche als auch weibliche Tiere sollten unbedingt kastriert werden. Auch wer beispielsweise 2 männliche Tiere kauft, muss beide kastrieren. Da sich die Tiere generell als Rivalen sehen, verletzen sie sich sonst sehr schnell durch Beißerein. Dem kann durch rechtzeitige Kastration vorgebeugt werden. Auch Kaninchen können krank werden und dank fortschrittlicher Medizin und moderner Medikamente kann so mancher Krankheit Einhalt geboten werden, aber auch das hat seinen Preis. Schnell sind da 100,- bis 200,- Euro beisammen.

Notfall und Urlaub

Überlegen Sie sich bitte vorher, wer für Ihre Kaninchen Sorge trägt, falls Sie in den Urlaub wollen oder aber auch krank werden. Gibt es nirgends eine Person Ihres Vertrauens, informieren Sie sich vorab bei Tierpensionen, Tiersittern oder aber auch bei Tierschutzvereinen und suchen Sie sich das passende heraus.

Andere Haustiere

 

Haben Sie andere Haustiere, die Ihre neuen Mitbewohner evtl. als "Beute" betrachten könnten? Hunde und Katzen müssen langsam an die Hoppels gewöhnt werden und nicht immer ist ein friedliches Miteinander ohne Aufsicht möglich. Viele Hunde haben einen sehr ausgeprägten Jagd- und/oder Spieltrieb und sehen im Kaninchen mehr Beute oder Spielzeug als den neuen Mitbewohner. Auch eine Katzentatze kann, wenn auch nur im Spiel, schwere Verletzungen anrichten. Bedenken Sie dies vor Anschaffung - nehmen Sie sich Zeit und üben Sie sich in Geduld beim Aneinandergewöhnen.

Lieblingsstücke

Kaninchen sind nicht nur neugierig, sondern haben auch ein natürliches Nagebedürfnis, da können bspw. Teppichkanten, Tapeten, Holzmöbel, Sofa nebst Sessel, Textilien, welche mal so eben locker auf den Stuhl geworfen wurden, Bücher, etc. durchaus mal den Langohrbeisserchen anheim fallen. Sie können sicherlich so manches Nageropfer verhindern, aber alles zu vereiteln, ist nicht möglich und niemand kann Ihnen die Gewissheit geben, dass Ihre Kaninchen nicht an das Wohnungs-/Hausinventar gehen. Manchen Verlust werden Sie einfach so hinnehmen müssen, können Sie sich damit arrangieren? Man muss den Kaninchen also immer ausreichen Möglichkeit zum Nagen geben, da ihre Zähne ständig nachwachsen und daher abgewetzt werden müssen. Auch das natürliche Buddelverhalten darf nicht unterschätzt werden. So sieht Papas Rasen schnell aus wie ein Acker wenn die Hoppels ihn erstmal bezogen haben. Nehmen sie auch das in Kauf?

Böbbels & Co.

Viele Kaninchenhalter werden Ihnen bestätigen, dass die Langohren sehr reinliche Tiere sind. Oftmals wird sich ein Eckchen im Käfig/Stall ausgesucht, der für die Hinterlassenschaften unseres tierischen Mitbewohners herhält.
Und auch in zahlreichen Büchern, als auch im Netz gibt es zahlreiche Abhandlungen über die Stubenreinheit bei Kaninchen, so dass Kaninchenanfänger den Eindruck gewinnen könnten, dies sei gängiger Standard.

Ich muss Sie enttäuschen, dem ist nicht so! Es besteht zumindest die Möglichkeit des Versuchs seine Kaninchen zu einer gewissen Reinlichkeit zu erziehen, aber es ist bei weitem nicht selbstverständlich.

Es ist keine Seltenheit, dass Käfigtoiletten oder aber auch Katzenklo's im Wohnbereich, für alles mögliche genutzt werden, nur nicht für Ihre eigentliche Bestimmung. So manches Kaninchen quetscht sich regelrecht in das extra eingehangene Käfig-WC, um sich einem kleinen Verdauungsschläfchen hinzugeben, während es bei jedem Freilauf und vor allem gerade dann, im Wohnbereich munter überall hin böbbelt und pieselt. Das Unterfangen Stubenreinheit wird hier keine Früchte tragen - sind Sie bereit zu Kompromissen?

Gefahren

Ihre Kaninchen brauchen und lieben Bewegung - wenn überhaupt Käfighaltung, dann mit mehrmaligem Auslauf pro Tag, sei es in der Wohnung, am Balkon oder im Garten.

Sperren Sie Treppen anfänglich ab, gewöhnen Sie Ihr Langohr langsam an Stufen. Wenn Sie "High-Speed-Kaninchen" Ihr eigen nennen, werden Sie jede Menge Freude an den Tobenden haben, aber Treppen sollten nicht zu Ihren Hindernissen gehören. Kabel ziehen Kaninchen magisch an und ein Stromschlags endet oft tödlich!

Sichern Sie Ihre Kabel entsprechend, es gibt entsprechende Kabeltunnel dafür. Wenn Ihnen im Tierfachgeschäft nicht weitergeholfen werden kann, wenden Sie sich bitte an einen Elektriker.

Ruckartiges oder heftiges Öffnen von Türen kann das dahinter sitzende Kaninchen schwer verletzen. Wenn das Kaninchen alleine im Raum ist, öffnen Sie bitte entsprechend vorsichtig die Tür.

Unterbringung

Ein Kaninchenheim kann eigentlich nicht groß genug sein, haben Sie entsprechende Stellmöglichkeit dazu? Auch muss für genügend Licht gesorgt sein, kein Durchzug, ebenso aber auch für entsprechende Ruhe vor den Menschen und den allgemeinen Trubel, wie bspw. Familie, Besuch, Musik, Fernseher und ähnliches. Der größere, bessere Käfig für den Wohnbereich hat manchmal nicht die Traumfarbe, die man sich eigentlich vorgestellt hat, kann den Eindruck des völlig in Erle eingerichteten Wohnzimmers ein wenig trüben. Sind Sie bereit, Abstriche zum Wohle Ihrer Kaninchen zu machen?

Bitte kaufen Sie nicht erst irgendeine Unterbringung, die teilweise nicht einmal Platz genug für ein Kaninchen bietet und grübeln dann darüber nach, wie viele es denn nun sein sollen.

Optimaler und artgerechter wäre es allerdings, die Kaninchen draußen zu halten. Das geht das ganze Jahr über, denn die Tiere eignen sich ein dementsprechendes Fell an. Wichtig sind allerdings Rückzugs- und Schutzmöglichkeiten. Zusätzlich sollte es im Gehege Schattenplätze geben. Ein ein- und ausbruchssicheres Gehege ist die Grundlage für eine Außenhaltung. Auch hier gibt es viele wichtige Tipps im Netz.

Anhand dieser Tipps, welche selbstverständlich nicht den Anspruch der Vollständigkeit erheben, können Sie zumindest schon mal für sich abstimmen, ob die Entscheidung "pro Kaninchen", die richtige ist.
Und wenn Sie sich nach wie vor sicher sind, Ihren Plan in die Tat umzusetzen, dann lassen Sie sich von erfahrenen Leuten und/oder entspr. Literatur helfen.

Nie allein:

Kaninchen sollten niemals alleine gehalten werden. Sie brauchen unbedingt Artgenossen! Denn wären sie gerne ein lebenlang alleine? Kaninchen sind sehr soziale Tiere und brauche einander zum schmusen,putzen, spielen und vielem mehr. Am besten eignen sich ein kastrierter Kaninchenbock und eine kastrierte Häsin. Der Bock sollte zur Vermeidung von Nachwuchs und Dominanzverhalten kastriert werden. Das Weibchen um Scheinschwangerschaften und Gebährmuttervereiterungen zu vermeiden.

Die Kombination Meerschweinchen und Kaninchen sollte unbedingt vermieden werden! Diese Tiere können sich nicht verständigen untereinander und haben generell ganz andere Lebensweisen.

Ernährung:

Die Ernährung ihres Lieblings sollte zu 90 % aus Heu bestehen. Wasser und Heu müssen ständig zur Verfügung stehen. Weiter kann man Grünfutter wie Löwenzahn, Karotten, Äpfel und vieles mehr verfüttern. Wer damit nicht über die Runden kommt kann im Netz GETREIDEFREIES Trockenfutter bestellen. Fertigfutter aus dem Laden schadet den Tieren! Trocken- und Frischfutter sollte niemals zusammen gegeben werden sondern immer zeitlich getrennt. Futterumstellungen müssen immer langsam und Schritt für Schritt erfolgen.

Info-Downloads & Buchtipps!

Diese Anregungen sollen Ihnen nur zu einer Entscheidung verhelfen, aber Sie brauchen weitführende Informationen über Ihre zukünftigen Langohren und auch gerade Kinder brauchen eine entsprechende Sensibilisierung, die Freude und Verantwortung bezüglich der Kaninchen vermittelt.

Das Netz bietet endlose Informationen oder auch entsprechende Fachbücher. Weiter gibt der Tierschutzverein natürlich gerne Auskunft und hat auch Fachleute, die noch mal genauer zum Thema Kaninchen beraten können.

 

Zum Schluss:

Die Entscheidung ist also gefallen: Kaninchen sollen einziehen. Ich möchte Ihnen Mut zu "Second-Hand-Kaninchen" machen und entscheiden Sie sich bei Kaninchen allgemein, jedoch gerade und vor allem bei Jungtieren immer und generell für zwei Kaninchen. Nehmen Sie jungen Kaninchen nicht die Chance der Vergesellschaftung, lassen Sie ein Jungtier nicht alleine vor sich hindümpeln, gönnen Sie ihm einen Artgenossen!

 

P.S.: Es ist wie bei fast allem: Die Liebe zählt!

 

 

Ihre Isabelle Vollmer