KASTRATION BEIM WEIBLICHEN KANINCHEN

Kastration bedeutet, dass man dem weiblichen Tier die kompletten Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt, dazu muss die Bauchhöhle eröffnet werden. Sterilisation bedeutet, dass lediglich die Eileiter abgebunden werden. Beim Kaninchen raten wir ausdrücklich immer zur Kastration bei der älteren Häsin und zur Ovarektomie (nur die Eierstöcke werden entfernt) bei der jungen Häsin.

 

Wann muss eine Häsin kastriert werden?

Wir raten mittlerweile immer dazu, auch die Häsinnen kastrieren zu lassen, bzw. eine Ovarektomie durchführen zu lassen. Anders als beim Rammler, dient dieser Eingriff hier eigentlich nicht zur Empfängnisverhütung, sondern zur Vorbeugung schlimmer Krankheiten und vermehrten Scheinschwangerschaften. Früher war diese Operation bei der Häsin noch relativ risikoreich, durch neue Narkosemethoden und mehr Erfahrungen ist dieser Eingriff heutzutage allerdings in vielen Tierarztpraxen schon Standardprogramm.

 

Oft werden Häsinnen, die das erste Lebensjahr vollendet haben, präventiv kastriert, um spätere Komplikationen definitiv ausschließen zu können. Der Vorteil einer präventiven Operation in jungen Jahren liegt darin, dass die Tiere sich schneller erholen als ältere, bereits erkrankte Kaninchen. Bei besonders dominanten Tieren kann eine Kastration außerdem zu einer besseren Verträglichkeit mit anderen Kaninchen führen. Viele Häsinnen erkranken im Laufe ihres Lebens an Entzündungen, Vereiterungen oder gar Krebs an der Gebärmutter. Auch Eierstockszysten und krankhafte Veränderungen kommen sehr häufig vor. Werden diese Erkrankungen zu spät erkannt, erleiden die Tiere einen schmerzvollen Tod. Die einzige Behandlungsmöglichkeit bei solchen Erkrankungen ist eine Kastration der Häsin.

 

Häufige Symptome für krankhafte Gebärmutterveränderungen sind z. B. gesteigerte Angriffslust, häufiges Rammeln, Scheinschwangerschaften mit Nestbau und Ausfluss (schmutzige/r Blume/Genitalbereich). Oftmals sind Zysten an den Eierstöcken Ursache für ein gesteigertes Sexualverhalten. Die Zysten stimulieren die Eierstöcke und diese produzieren daraufhin verstärkt Hormone, welche das Weibchen auf Hitze und (Schein-) Schwangerschaften einstellen. Diese starke Hormonbelastung kann auch Veränderungen und Erkrankungen an der Gebärmutter auslösen. Durch dauernde Hitze und viele Scheinschwangerschaften wird die Häsin an Gewicht zunehmen, meist im Halsbereich in Form einer Wamme. Dies ist ein natürlicher Prozess, da die Häsin denkt, sie bekommt Junge und speichert deswegen Reserven an, um genügend Energie für Die Milchproduktion hat.Ebenfalls wird die Häsin nach und nach ihr Verhalten ändern, denn Scheinschwangerschaften (und auch existierende Schwangerschaften) sind extrem stressig für das Tier und wenn dies zu oft vorkommt, steht die Häsin unter Dauerstress. Eine dauernde Hitze kann sich z.B. in Bissigkeit, Berammeln der Gruppenmitglieder, Aggressionen oder starken Gewichtsverlust äußern.

 

Kosten

Die Kosten belaufen sich bei einem weiblichen Kaninchen (je nach Tierarztpraxis) auf 130€ bis 200€, wobei hier beachtet werden muss, dass es ein viel größerer Eingriff als beim Rammler ist, da der Bauch eröffnet werden muss.

 

Vorbereitungen

Bevor man sein Tier kastrieren lässt, sollte man sich ausführlich darüber informieren welche Kastrationsmethoden und Narkosemethoden es gibt.
Am besten bespricht man alles genau mit dem Tierarzt, denn das Kaninchen sollte zuvor immer genau durch gecheckt werden. Es muss sichergestellt werden, ob alles in Ordnung mit ihm ist und keine Krankheit vorliegt, denn jede Operation (Narkose) ist ein Risiko für das Tier. Auf keinen Fall darf das Kaninchen nüchtern zur OP gebracht werden! Kaninchen haben einen Stopfmagen d.h kommt oben nichts rein, kann auch unten nichts heraus kommen. Es ist also sehr wichtig für ein Kaninchen, das es immer ausreichend Heu zur Verfügung hat und vor einer OP ganz normal gefüttert wurde. Hat das Kaninchen vor der Operation nichts gefressen, kann es zu gefährlicher Gasbildung und großen Problemen kommen.

 

Narkose

Für Kastrationen beim weiblichen Kaninchen raten wir immer zu einer kombinierten Inhalationsnarkose. Das Risiko dieser Narkose ist nicht so hoch wie bei einer Injektionsnarkose, das liegt daran, dass man das Kaninchen besser aufwachen lassen kann wie bei der anderen Narkose (Dosierung). Das Kaninchen atmet das Narkosegas ein und schon kurze Zeit später schläft es tief und fest. Durch Abatmung des Narkosemittels ist es auch schon kurz darauf wieder wach.

Ein kompetenter Tierarzt wird ihrem Tier zusätzlich ein Opiat und ein Benzodiazepin (= in diesem Fall spricht man von einer Kombinationsnarkose) verabreichen, sprechen Sie ihn unbedingt darauf an. Generell ist es ratsam, zu einem Tierarzt zu gehen, der sich auf Heimtiere spezialisiert hat und sich genau mit Kaninchen auskennt.

 

Will ihr Tierarzt ihr Kaninchen in bloßer Injektionsnarkose kastrieren, sollten Sie ihn dringend wechseln. Die Injektionsnarkose ist nämlich sehr einfach für den Tierarzt. Sie wird dem Kaninchen gespritzt, jedoch ist sie schlecht steuerbar.
Es kann durchaus sein, dass durch eine minimal höhere Dosierung ein Tier bis zu 3 Stunden oder länger schläft. Diese Narkoseform ist belastender für den Kreislauf des Kaninchens und auch risikoreicher im Vergleich zur Inhalationsnarkose. Die Leber ist bei Abbau der Narkosemittel überwiegend beteiligt und wird dadurch stärker belastet.

 

Nach der Operation

Nach der Operation muss die Häsin unbedingt auf Handtüchern laufen, damit nichts in die Wunde gelangt, denn diese kann verschmutzen und es kann Infektionen geben! Das Kaninchen sollte nach der Kastration bis zur Wundheilung allein gehalten werden, damit andere Kaninchen oder Stress in der Gruppe ihre Wunde nicht öffnen. Die Fäden werden nach 10 Tagen gezogen. In dieser Zeit bitte die Wunde mindestens einmal täglich kontrollieren.

 

Man sollte vom Tierarzt – für den Notfall – einen Halskragen und übel schmeckendes Wundspray mitnehmen. Entweder kann das Kaninchen mithilfe eines Stramplers vom knabbern abgehalten werden oder es muss tatsächlich den Halskragen tragen. Nässt die Wunde stark oder öffnet sich gar die Naht ein stückweit, sollte man den Tierarzt aufsuchen!

 

Die ersten ca. 2-3 Tage nach der Kastration wird die Häsin nicht viel fressen – besorg die lieber schon vorher CriticalCare, Babybrei (Banane/Apfel oder Karotte ist empfehlenswert) und Spritzen ohne Kanüle! Außer auf Futter muss auch auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden und gegebenenfalls muss Wasser in einer Spritze verabreicht werden. Am besten ist es wohl, wenn man in den ersten Tagen nach der Kastration nur ihr Lieblingsfutter anbietet, damit sie einen Anreiz zum Fressen haben.

 

Der Tierarzt sollte außerdem ein Schmerzmittel für die ersten 2-3 Tage mitgeben.
Auslauf sollte bis mindestens 3 oder 4 Tage nach der OP nicht gewährt werden, denn ruckartige Bewegungen hindern die Heilung! Eine Nachuntersuchung nach 5 Tage ist sehr zu empfehlen. Nach dem Fädenziehen kann die Häsin wieder in ihre Gruppe reintegriert werden. (Zusammenführung auf neutralem Boden!)