KASTRATION BEIM MÄNNLICHEN KANINCHEN

Kastration bedeutet, dass man dem männlichen Tier die kompletten Hoden entfernt und er somit zeugungsunfähig gemacht wird. Sterilisation bedeutet, dass lediglich die Samenleiter abgebunden werden. Beim Kaninchen raten wir ausdrücklich immer zur Kastration.

 

Eine Frühkastration (d.h. vor Eintritt der Geschlechtsreife) kann man zwischen der 9. und 11. Lebenswoche machen lassen. Die Vorteile dabei sind, dass der kleine Kastrat nur ein paar wenige Tage braucht um sich zu erholen und gleich wieder in die Gruppe reintegriert werden kann oder ohne Kastrationsfrist mit einer Häsin vergesellschaftet werden kann. Jede Kastration nach der 12. Lebenswoche ist eine normale Kastration und das Tier sollte 6 Wochen von Weibchen getrennt bleiben. In dieser Zeit kann sich noch fruchtbares Ejakulat in den Samensträngen und Nebenhoden befinden und bei einer Paarung kann durchaus noch Nachwuchs entstehen. Um das zu vermeiden sollte der frische Kastrat diese 6 Wochen allein in einem separaten Raum bleiben.

 

Wann muss ein Kaninchen kastriert werden?

Männliche Kaninchen sollte grundsätzlich kastriert werden, wenn sie mit einer Häsin zusammengehalten werden. Klar, einerseits soll Nachwuchs vermieden werden. Oft werden wir aber gefragt, warum man den Rammler kastrieren soll, wenn die Häsin es bereits ist. Ganz einfach, ein unkastrierter Kaninchenmann hat sehr starke Triebe und würde immer wieder das (kastrierte) Weibchen berammeln. Für beide Tiere ist das mit großem Stress und mit der Zeit mit Verletzungen durch den Nackenbiss und das häufige Berammeln verbunden. Werden zwei Rammler ohne Häsin gehalten, sollten auch hier unbedingt beide Tiere kastriert werden. Auch hier werden sich die beiden Kaninchenmänner immer wieder berammlen und können sich dabei ernsthaft verletzen. Bei besonders dominanten Tieren kann eine Kastration außerdem zu einer besseren Verträglichkeit mit anderen Kaninchen führen.

 

Kosten

Die Kosten belaufen sich bei einem männlichen Kaninchen (je nach Tierarztpraxis) auf 50€ bis 70€.

 

Vorbereitungen

Bevor man sein Tier kastrieren lässt, sollte man sich ausführlich darüber informieren welche Kastrationsmethoden und Narkosemethoden es gibt.
Am besten bespricht man alles genau mit dem Tierarzt, denn das Kaninchen sollte zuvor immer genau durch gecheckt werden. Es muss sichergestellt werden, ob alles in Ordnung mit ihm ist und keine Krankheit vorliegt, denn jede Operation (Narkose) ist ein Risiko für das Tier. Auf keinen Fall darf das Kaninchen nüchtern zur OP gebracht werden! Kaninchen haben einen Stopfmagen d.h kommt oben nichts rein, kann auch unten nichts heraus kommen. Es ist also sehr wichtig für ein Kaninchen, das es immer ausreichend Heu zur Verfügung hat und vor einer OP ganz normal gefüttert wurde. Hat das Kaninchen vor der Operation nichts gefressen, kann es zu gefährlicher Gasbildung und großen Problemen kommen.

 

Narkose

Für Kastrationen raten wir immer zur Inhalationsnarkose. Das Risiko dieser Narkose ist nicht so hoch wie bei einer Injektionsnarkose, das liegt daran, dass man das Kaninchen besser aufwachen lassen kann wie bei der anderen Narkose (Dosierung). Das Kaninchen atmet das Narkosegas ein und schon kurze Zeit später schläft es tief und fest. Durch Abatmung des Narkosemittels ist es auch schon kurz darauf wieder wach. Ein kompetenter Tierarzt wird ihrem Tier zusätzlich ein Opiat verabreichen, sprechen Sie ihn unbedingt darauf an. Generell ist es ratsam, zu einem Tierarzt zu gehen, der sich auf Heimtiere spezialisiert hat und sich genau mit Kaninchen auskennt.

 

Will ihr Tierarzt ihr Kaninchen in Injektionsnarkose kastrieren, sollten Sie ihn dringend wechseln. Die Injektionsnarkose ist nämlich sehr einfach für den Tierarzt. Sie wird dem Kaninchen gespritzt, jedoch ist sie schlecht steuerbar. Es kann durchaus sein, dass durch eine minimal höhere Dosierung ein Tier bis zu 3 Stunden oder länger schläft. Diese Narkoseform ist belastender für den Kreislauf des Kaninchens und auch risikoreicher im Vergleich zur Inhalationsnarkose. Die Leber ist bei Abbau der Narkosemittel überwiegend beteiligt und wird dadurch stärker belastet.

 

Nach der Kastration

Um die frische Wunde nicht nach der OP zu reizen, sollte der Rammler für ca. 3 Tage nicht auf normaler Einstreu sitzen, sondern auf Handtüchern oder alten Laken. Die Einstreu könnte sich in die Wunde setzen und somit zu Entzündungen führen.
Heu sollte natürlich immer reichlich zur Verfügung gestellt sein, am beste in einer Heuraufe.

 

Die Fäden werden nach 10 Tagen gezogen. In dieser Zeit bitte die Wunde mindestens einmal täglich kontrollieren. Viele Kaninchen nagen gern an den Nähten herum und dies kann sich negativ auf die Wundheilung auswirken. Manche jedoch interessieren sich gar nicht für die Fäden, da ist jedes Tier anders. Nagt ihr Tier allerdings an den Fäden oder zieht es sich die Fäden gar heraus, muss es daran gehindert werden durch einen Halskragen oder widerlich schmeckendes Wundspray (beim Tierarzt erhältlich). Hat es sich die Wunde bereits aufgebissen und die Fäden gezogen ist ein erneuter Tierarztbesuch unumgänglich.

 

Nach der Kastration sollte unbedingt darauf geachtet werden, ob das Kaninchen normal frisst. Verweigert es das Futter, muss es zwangsernährt werden und braucht noch einmal zusätzlich Schmerzmittel. Wichtig ist außerdem, dass der frischkastrierte Rammler nach der regulären Kastration nicht zu einer Häsin darf, denn er ist bis zu 6 Wochen nach dem Eingriff zeugungsfähig. Um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden, empfehlen wir, den Rammler bis zu 6 Wochen von der Häsin getrennt zu halten.